Es ist der 5. März 1945.

Die Kerze auf unserem Fensterbrett brennt still.

Um halb neun fangen draußen plötzlich die Sirenen an zu heulen. Das Geräusch zieht sich durch die ganze Stadt und klingt wie ein langes, trauriges Heulen.

Frau Berger kommt ins Zimmer und sagt, wir sollen zusammenbleiben. Niemand soll alleine sein. Wir setzen uns dicht nebeneinander. Lina hält meine Hand fest.

Ein paar Minuten später hört man Flugzeuge. Erst ganz weit weg. Dann immer näher. Irgendwo in der Stadt schlagen Bomben ein. Das Fenster zittert leicht. Die Kerze flackert.

Der Himmel über Chemnitz wird hell. Nicht wie am Morgen, sondern orange und rot, als würde die Nacht brennen.

Im Heim ist es still. Man hört nur das entfernte Donnern und manchmal ein Krachen aus der Stadt.

Ich denke an unseren Hof, an die Schaukel und den Kastanienbaum. Ich hoffe, dass sie morgen noch da sind.

Und während draußen die Nacht tobt, halte ich Linas Hand fest und wünsche mir, dass wir alle zusammen den Morgen erleben und es wurde still…