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Dr. Björn Clemens: Im Schatten des Geziefers -Fehlendes nationales Milieu

 Seit der Landtagswahl von Sachsen-Anhalt am 27. März 2011 wird im NPD-Umfeld ausgiebig über die Gründe diskutiert, warum trotz intensiven und professionellen Wahlkampfes erneut (wie zuvor in Thüringen) der Einzug in den Landtag nicht gelungen ist. Den Anstoß gaben zwei fundierte Analysen von Frank Franz und Peter Schreiber. Darin werden diverse Gesichtspunkte aus der Arbeit und Darstellung der Partei erörtert. Der folgende Text versucht daran anknüpfend die Situation des vorpolitischen Umfeldes des nationalen Widerstandes auszuloten.

 

Der Verfasser war 18 Jahre lang Mitglied der Republikaner, davon 8 Jahre im Bundesvorstand, zuletzt als stellvertretender Bundesvorsitzender. Seinen Parteiaustritt 2007 kommentierte der Berliner Tagesspiegel mit den Worten „Abgang vom Totenschiff.“ Derzeit ist der Autor mehrerer Bücher und Schriften stellvertretender Vorsitzender der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO). Er gehört der Heinrich-Heine Gesellschaft in Düsseldorf und einer Marburger Burschenschaft an. Zivilberuflich arbeite er als Rechtsanwalt mit einem Schwerpunkt in der Verteidigung gegen die Gesinnungsjustiz.

 

 

 

Verfall der nationalen Idee

 

Die gesellschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland zeichnet sich dadurch aus, daß es ein nationales Milieu in nennenswertem Umfang nicht gibt. Unter nationalem Milieu soll dabei die Gruppe von Menschen verstanden werden, deren persönliches Befinden wesentlich davon geprägt wird, wie sich die Lage der Nation ausnimmt. Das Schicksal des Vaterlandes wird als eigenes empfunden. Der in diesem Sinne nationale Mensch erkennt beispielsweise die heutige, 1945 erzwungene, Grenzziehung nicht nur als ungerecht; er leidet auch darunter. Der Blick auf die Landkarte verursacht ihm Unbehagen, wenn er sehen muß, daß Städte wie Breslau, Danzig oder sogar Stettin dem PMB (polnischen Machtbereich) unterworfen sind. Otto Normal Bundesbürger ist das Schicksal dieser Orte egal. Fressen und vögeln kann er auch ohne Danzig. Der Nationale sieht die Überfremdung nicht in erster Linie als Problem der Zuwanderung in die Sozialkassen, sondern als Verlust der kulturellen Identität. Deren Auszehrung blickt er qualvoller entgegen als den eigenen finanziellen Einbußen. Dementsprechend belastet ihn die Straßenherrschaft der Ausländerbanden in Berlin-Neukölln auch dann, wenn er in Düsseldorf-Kaiserswerth oder in Hamburg-Blankenese wohnt. Er empfindet den Verlust der DM vor allem als Verlust der deutschen Währungshoheit und nur sekundär als Verlust der Währungsstabilität. Der Nationale empört sich über die Geschichtslügen, die über sein Volk im Umlauf sind und erregt sich über die antideutsche Hetzpropaganda in den Spielfilmen aus Hollywood. Weitere Beispiele ließen sich anfügen. All das bewegt ihn persönlich. Er nimmt inneren Anteil an solchem Geschehen, während man außerhalb des Milieus achselzuckend darüber hinwegsieht. Weiter Beispiele ließen sich aufzählen.

 

Der Angehörige des nationalen Milieus fühlt sich als Teil eines Ganzen in dem er sich dialektisch in einer höheren Ebene aufgehoben weiß. Er ist selbst Teil des Ganzen. So wie er aus dem Ganzen empfindet, empfindet er auch für das Ganze. Damit steht er in der Gegenwart des BRD-Systems auf verlorenem Posten. Hier zählt nach sechzigjähriger Umerziehung nur das größtmögliche Tagesvergnügen der größtmöglichen Anzahl größtmöglich ausgeprägter Individuen. Dagegen hat sich das Nationale Lager nicht behaupten können.

 

Indikator dafür sind unter anderem die Wahlkampfthemen der Parteien des rechten Spektrums. Bei der Bundestagswahl 1990, damals noch von einem Vorsitzenden mit Charakter geführt, gab es einen zaghaften Versuch der Republikaner, die Stellung der Nation als solche zu thematisieren. Sie verteilten u.a. ein Flugblatt, auf dem zu einer Deutschlandkarte aus dem Jahre 1937 unter farblicher Hervorhebung der Provinzen Ostpreußen, Schlesien und Pommern (im übrigen unter Verzicht auf Österreich, Südtirol und Posen/Westpreußen) die Forderung aufgestellt wurde: „Das ganze Deutschland soll es sein“ (Vgl. hierzu Spiegel-online http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13498692.html). Seitdem sind derlei übergeordnete Fragen aus dem politischen Tagesgeschäft verschwunden. In der Folgezeit wurden und werden sowohl von den Republikanern, als auch von anderen Parteien einschließlich der NPD zwar noch verschiedentlich gesellschaftliche Phänomene angesprochen, wie die Abtreibungsfrage oder die Verschärfung der Strafgesetze in bestimmten Bereichen, (z.B. bei Drogendelikten und insbesondere Sexualvergehen gegen Kinder). Überwiegend wird jedoch auf Geldbeutelthemen gesetzt: Zuwanderung in die Sozialgesetze, tatsächliche oder vermeintliche Ungerechtigkeiten der Hartz-IV-Gesetzgebung, finanzielle Ausplünderung durch die EU, die auf den Bürger durchschlagen, Verlust der Kaufkraft durch die Euro-Inflation. Oft genug verbinden sich damit entlarvende Anscheinsklugheiten, wie „man muß den Bürger dort abholen, wo er ist“, die vor allem die eigene Kapitulanz vor den kleinen Tagesbedrückungen des Stimmvolkes sichtbar werden lassen. Die Lage der Nation ist nicht wahlkampftauglich.

 

Indikator des Bedeutungsverlustes der Nation sind darüber hinaus die Reaktionen der Bürger auf bestimmte gesellschaftliche Veränderungen selbst. So wird die zunehmende Islamisierung höchstens dort als Problem empfunden, wo eine neue Moschee zu Parkplatznot und Lärmbelästigung führt. Das Bewußtsein dafür, daß jede Moschee an sich ein Anschlag auf den abendländischen Charakter unserer Nation ist, gewissermaßen ein Brückenkopf der kulturellen Landnahme, gleichgültig ob sie im Stadtzentrum, in einem Industriegebiet oder abgelegen im Wald errichtet wird, fehlt weitgehend.

 

Daß dies kein natürlicher Zustand ist, zeigt ein Blick ins Geschichtsbuch. In der Weimarer Republik vermochten Kriegsschuldlüge und Gebietsamputationen tausende Demonstranten auf die Straße zu bringen und das politische Leben maßgeblich zu bestimmen. In gesunden Völkern sind solche Haltungen nach wie vor lebendig, wie der Staat Japan beweist, indem er nach wie vor an der Rückgabe der Kurilen von Rußland festhält. In Deutschland würde die Forderung nach Rückgabe der Ostgebiete wegen der angeblich unabsehbaren finanziellen Konsequenzen als empörend empfunden, ganz zu schweigen, daß sie kriminalisiert würde. Wer sich an den Prozeß der deutschen Teilwiedervereinigung 1989/90 erinnert, weiß, daß das politische Establishment ausschließlich pekuniär argumentierte: während die einen jammerten, das Ganze dürfe nichts kosten, beruhigten die anderen, das werde es auch nicht. Oskar Lafontaine zeterte über die entstehende Megabelastung, Helmut Kohl hielt mit der Portokasse dagegen, die für den Aufbau ausreiche. Die starke Stimme, daß die Einheit der Nation eine geschichtliche Notwendigkeit sei, die trotz allem erfochten werden müsse, koste es, was es wolle, gab es nicht.

 

Damit ist nicht gesagt, daß sämtliche Bundesbürger dem Begriff der Nation feindlich gegenüberstehen. Jedoch ist die Zahl derer, für die die Nation ein Lebensgefühl darstellt, verschwindend gering, bis tief in die Reihen von Organisationen, bei denen etwas anders gehofft werden sollte, wie den akademischen Burschenschaften. Auch dort trifft man überwiegend auf verstaubte Nostalgie, wo lebendiger Nationalismus herrschen sollte.

 

 

Verschwinden nationaler Begrifflichkeit

 

Aus dem fehlenden Grundgefühl erwachsen Konsequenzen. Bestimmte Denkkategorien sind soweit abgestorben, daß sie keine Impulse mehr für das persönliche Verhalten der Menschen setzen, geschweige denn am Tage X die Wahlentscheidung beeinflussen. Dazu zählen Begriffe wie „nationale Ehre“ und „Würde.“

 

Ferner ist der Opfermythos abhanden gekommen, der in die Sprache der Politik übersetzt zu einem Dienst- bzw. Pflichtbewußtsein führt, wie er noch für Preußen Existenzgrundlage und Staatsraison war. „Viel leisten, wenig hervortreten, mehr Sein als Scheinen“. Dies beinhaltet die Idee der Hingabe für etwas größeres als das eigene billige und vergängliche Sein, die letztendlich wert ist, das Leben einzusetzen. Wie wirklichkeitsnah derartige Gedanken auch in der Gegenwart noch sein können, hat, um das prominenteste Beispiel zu nennen, John F. Kennedy bewiesen, der in einem berühmten Ausspruch appellierte: „Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, frage, was Du für Dein Land tun kannst.“ Weniger bekannt dürfte sein, daß der bis vor kurzem amtierende Gouverneur des US-Staates Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, die seinerzeitige Kandidatur unter anderem damit begründete, daß er dem amerikanischen Staat alles verdanke, was er in seinem Leben erreichen konnte. „Now it´s time to give something back“, waren die beeinruckenden Worte, die auch durch die Propagandawirkung, die sich der vormalige Schauspieler von ihnen erhofft haben mag, nicht geschmälert werden: Denn immerhin lag ihnen die Einschätzung zugrunde, daß vaterländische Propaganda auf Gehör fallen würde. Derlei Redensarten sind in der BRD indes nicht zuhören: Die dafür nötigen Denkweisen sind ausgestorben, und es existiert kein zahlen- oder schlagkräftiges nationales Milieu das sie reanimieren oder gar einfordern würde.

 

Ein Kernbereich der Politik, in dem sich das kristallisiert, ist die Frage der Wehrfähigkeit eines Volkes. Ein Volk, in dem nationales Empfinden einen Stellenwert genießt, bewahrt ein Bewußtsein dafür, gerüstet zu sein, die Existenz im Notfall im Kampf zu behaupten. Dies ist Voraussetzung, um auch in Friedenszeiten nicht erpreßbar zu werden. Daher ist Wehrfähigkeit eine permanente, von der Tagespolitik unabhängige Forderung, die an eine Nation und jedes einzelne ihrer Glieder zu stellen ist. Als das Versailler Schanddiktat die Stärke der deutschen Armee auf 100.000 Soldaten beschränkte, wurde das allgemein als Anschlag auf die deutsche Ehre und Wehrfähigkeit verstanden und empfunden. Heute kann ein Lügenbaron die letzten Reste der Kampfbereitschaft der Bundeswehr verstümmeln, ohne auf den geringsten Widerstand zu stoßen. Wenn es ein Anzeichen für das fehlende nationale Milieu in der BRD gibt, dann ist es darin zu sehen, daß die Zerschlagung unserer Verteidigungsfähigkeit keinen Sturm des Protests, keine Initiative Pro-Wehrpflicht oder ähnliches auslöste. In dem Spielfilm Neue Vahr Süd nach dem gleichnamigen Buch von Sven Regener wird als allgemeiner Konsens der buntrepublikanischen Jugend der achtziger Jahre die sprichwörtliche Verweigerungshaltung ausgegeben. Die Hauptperson wird mit ihrer Einziehung zur Bundeswehr nur deshalb zum Abweichler, weil sie ein Depp ist, der die förmliche Verweigerung verschlampt, nicht weil sie traditionell gelebtes Soldatentum in sich fühlt.

 

Fehlende Opfer-, bzw. Einsatzbereitschaft wird aber auch an reichlich banalen Vorgängen sichtbar. Wer jemals aktiven Wahlkampf für eine Partei des Lagers geführt hat, wird davon berichten können, wie schwierig eine Besatzung für einen Infostand an einem Samstag morgen ab neun Uhr zu mobilisieren ist. Er kann sich glücklich schätzen, wenn zu solch unchristlicher Zeit kurz nach Mitternacht fünf Personen zusammengetrommelt werden können. Kurz danach darf er sich einen Eindruck verschaffen, mit welch preußischer Disziplin der linke Gewaltpöbel innerhalb weniger halben Stunden in großer Anzahl aufmarschiert, um den Stand zu zertrümmern und seine Betreuer krankenhausreif zu schlagen. Gleichzeitig schlummern zahllose selbsternannte Jungnationalisten in ihren Bettchen und träumen vom Führer, auf den sie am Vorabend ein paar Bier zu viel getrunken haben. So manchem Schwadroneur fehlt die sittliche Haltung, die unverzichtbar ist, um Teil eines nationalen Milieus zu werden.

 

 

Geist- und Kulturvergessenheit

 

Die Empfindung, Teil einer höheren Einheit zu sein, ist geistiger Natur. Der bundesdeutsche Kaufmannspragmatismus sagt: „Ich sehe keine Nation, ich sehe nur Menschen.“ Er kann sich nicht vorstellen, daß es geistige Bande gibt, welche die verschiedenen Einzelnen zu einem Ganzen erhöhen. Er ist geistlos. Das nationale Milieu, das solchem Ziffernmenschentum einen schöpferischen Idealismus entgegensetzte, wäre folgerichtig an seinem geistigen Interesse und seiner geistigen Betätigung zu erkennen. Die Bewahrung der kulturellen Substanz, die Aufnahme und Weitergabe klassischer Literatur, Musik, Malerei usw. müßte in ebensolchem Ausmaß zu finden sein, wie die eigene musische Betätigung. Die Realität läßt sich an den klassischen Verkaufskatalogen der Szeneverlage und Devotionalienhandlungen ablesen. Für den unglaublichen Reichtum und die Schönheit deutscher Dichtung hat der Durchschnittsnationalist kein Empfinden und keine Zeit. Verkaufsschlager sind hingegen die immer gleichen Langweiler militärischer Heldentaten, die sich doch immer wieder zur Tragik der verlorenen Siege zusammenfügen. Der Kessel von Tscherkassy und die Tragödie von Stalingrad, die Abschußerfolge von Panzer-Meier oder U-Boot-Müller ermöglichen dem Gefühlspatrioten die Festigung seiner nostalgischen Anwandlungen. Der geistige Aufbau der Nation, der zu jeder Zeit neu zu leisten ist, wird damit nicht bewirkt (was nicht heißen soll, daß man der Wehmacht die ihr zukommende Ehrbezeigung verweigern soll).

 

In derartigem Umfeld gedeiht – oh Wunder – kaum eine wahrzunehmende geistig-kulturelle Eigenproduktion. National ausgerichtete oder auch nur konservative Belletristik ist in der BRD bei den Toten zu finden: Ernst Jünger, Ernst von Salomon, um die namhaftesten zu nennen, sind keine Figuren der bunten Republik, sie wirkten in ihren letzten Jahren lediglich dort hinein. Nachfolger haben sie seltenst gefunden. Der Literaturbetrieb, der Kulturbetrieb im ganzen, ist fest in den zersetzenden Händen des Antifaschisten gleich welcher Gestalt. Abgestorben sind auch einstmals bestehende kulturschaffende Kreise bzw. Gemeinschaften wie die Lippoldsberger Dichtertage oder ähnliche. Vom Arbeitskreis deutscher Dichtung hört man Auflösungsgerüchte. Ein Kulturverein im Rheinland setzt sich im wesentlichen aus den Witwen der Gründergeneration zusammen usw.; das Sterbelied ließe sich fortsetzen. Schuld daran ist u.a. die verkrustete Angstgegnerschaft zu den 68ern, verbunden mit unverantwortlicher Priorisierung des Wirtschaftlichen. Der Erhalt der bundesdeutschen Reihenhausidylle stand immer auf Platz 1 der „politischen“ Interessen. Damit hat sich die Rechte geistig selbst kastriert.

 

Auch politische Zirkel finden sich wenig. Kleine Ansätze waren wenigstes vorhanden. In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts bildete sich im Umfeld der Staatsbriefe Hans Dietrich Sanders, des Vordenkers der nationalen Publizistik, ein kleiner Kreis Gleichgesinnter, der einige interessante Ideen zu Tage förderte. Nach Einstellung der Zeitschrift blieben nur wenige Splitter zurück. Immerhin schafften sie es zum 80. Geburtstag des Meisters eine beachtliche Anthologie politischer Aufsätze zusammenzutragen. Etwa zeitgleich mit den Staatsbriefen unterhielt die Junge Freiheit, die damals ihren Namen noch zurecht trug, eine Reihe sogenannter Leserkreise, die von der Redaktion aus Angst vor dem Verfassungsschutz aufgelöst wurden, als sie ernstzunehmendes Potential zu entwickeln begannen. Heute ist das Blatt, dessen Chefredakteur sich nicht zu schade war, im Jahre 2007 öffentlichen Verrat am österreichischen Europaabgeordneten Andreas Mölzer zu verüben, nachdem der zu einer Gesprächsrunde bundesdeutscher Rechtspolitiker nach Straßburg geladen hatte, endgültig zur Jungen Feigheit verkommen. Impulse gehen von ihm schon lange nicht mehr aus.

 

So gibt es im Sinne des notwendigen Befreiungsnationalismus nur wenige Hoffnungsträger. Zu ihnen gehört die vom nationaldemokratischen Landtagsabgeordneten Arne Schimmer gestalte Zeitschrift „Hier und Jetzt“. Es existiert eine Hand voll Burschenschaften, die ihre Aufgabe, die sie aus den Befreiungskriegen ableiten, ernst nimmt. Das Gros indes gefällt sich darin, bier- und mensurseligen Couleurcarneval zu feiern, während die sozial saturierten Altherrenschaften im Hinblick auf ihre bürgerliche Reputation angstvoll zu verhindern trachten, daß ihre Aktiven die burschenschaftlichen Grundsätze von Ehre, Freiheit und Vaterland in die Tat umsetzen. Um dieses kümmern sich statt dessen Organisationen wie die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO), die den Dresdner Trauermarsch als zentrale Kundgebung des NW organisiert, die Schlesische Jugend (SJ), und wenige ähnliche Vereinigungen sowie vielleicht ein paar Idealisten aus dem Umfeld der Blauen Narzisse. Daneben sind es eine Reihe von Einzelpersonen und Autoren, die den nationalen Gedanken hochhalten, wie Günter Maschke, Thorsten Hinz, Bernd Rabehl, oder Jürgen Schwab. Sander wurde bereits erwähnt. Ungenannt müssen an dieser Stelle jene Namen bleiben, die sich nicht aus den Denkschablonen, die ihnen das System vorgibt, lösen können, vor grundsätzlichen Fragen zurückschrecken und somit in der konservativen Kosmetisierung des bürgerlichen Lagers stecken bleiben. Wenn es zum Schwur kommen soll, erschallt von den unsicheren Kantonisten noch immer die Distanzierungsfanfare und bläst einem die Grundgesetztreue in die Ohren. Der von ihnen ausgehende Abgrenzungsfetischismus ist eines der Kernprobleme, das der Bildung eines nationalen Milieus im Wege steht.

 

Immerhin gibt es erfreuliche Lebenszeichen in der Neofolkszene, einem Seitenast des „gothic“. Ist diese Musikrichtung schon im ganzen erfrischend nonkonform, was sich unter anderem im spielerischen Umgang mit Uniformen und Symbolen zeigt, gibt es in Josef Klumb und seiner Gruppe „von Thronstahl“ einen dezidiert nationalidentitären Fixpunkt. Nicht vergessen werden dürfen natürlich Frank Rennicke oder Jörg Hähnel, deren Lieder den Geist der nationalen Freiheit atmen.

 

Alles in allem fällt die Bilanz dennoch ernüchternd aus: Verglichen mit der Konsensmasse des staatlich verordneten Antifaschismus und der Unzahl der von ihm subventionierten Radauorganisationen, verglichen mit dem dritten Lager in Österreich, verglichen auch mit den Mitgliederzahlen in Sport- oder Kleingartenvereinen sind es wenige idealistische Einzelkräfte oder Kleinstgruppen, die sich in einer fatalen Situation ehrenwert bemühen, auf dem Posten zu stehen. Sie stehen einsam dort. Anstelle eines nationalen Milieus finden sie die Diaspora einiger Versprengter vor. Fast überflüssig ist zu sagen, daß es vom Nationalen Lager so gut wie keine Querverbindung in „die Gesellschaft“ gibt. Weder Justiz- oder Beamtenapparat, noch der Universitätsbetrieb, noch die Wirtschaft, noch der Sport zeigt Affinitäten zur deutschen Sache. Das ist ein wesentlicher Unterschied etwa zur Weimarer Zeit, in der die nationale Opposition im ganzen Volk verankert war. Böse Zungen sprechen deshalb nicht vom Lager des NW, sondern vom Ghetto. Wie gut es dagegen in der Weimarer Republik aufgestellt war, vermittelt das Werk über die konservative Revolution von Armin Mohler.

 

Man kommt schließlich nicht umhin festzustellen, daß die deutsche Rechte im Vergleich zur Linken, wie sie sich 68 manifestierte, nicht gut abschneidet. Bekanntermaßen war dieser Gegner ausgesprochen intellektuell ausgerichtet, Lese- und Diskussionsfreudigkeit geradezu sprichwörtlich ausgerichtet. Die seinerzeitigen Studenten kannten ihre politischen Theorien und konnten deren Klassiker rauf- und runterbeten.

 

Angesichts dessen ist es nur folgerichtig, wenn den parteipolitischen Formationen des nationalen Widerstandes lediglich hin und wieder bei dem zufälligen zeitlichen Aufeinanderprall verschiedener Ereignisse und Stimmungen genügend Proteststimmen zufallen, die den knappen Einzug in ein Landesparlament ermöglichen. Es ist dann nicht das nationale Milieu, das ihn trägt, sondern eine kurzfristig aufflammende Frustration sozial zu kurz Gekommener, die sich ein Ventil sucht. Auf solcher Basis wird die Rechte nie zum strategischen Aufbau in der Lage sein, sondern weiterhin wie der Hamster im Rade ihrer Eintagserfolge treten. (Die groteske Zuspitzung einer Spiegelfechterei im rechten Fahrwasser, die auf keine weltanschauliche Grundlage zurückgreift, findet sich in der sogenannten Pro-Bewegung. Sie wird nicht vom nationalen Gedanken geeint, sondern vom zufälligen Zusammenschluß diffuser Nörgler und Nörgeleien. Ihre einzige Legitimation ist der Erfolg, die mit der Vergänglichkeit einmaliger Ereignisse, z.B. der Entscheidung des Kölner Moscheenstreits, unentrinnbar zerfällt. Die politische Halbwertzeit dieser Epigonen verhält sich zu der einer fundierten Weltanschauungsgemeinschaft wie die Halbwertzeit von Jod zu der von Plutonium).

 

 

Falsche Lagebeurteilung

 

Heinrich von Treitschke fand im ersten Band seiner Deutschen Geschichte angesichts des Niedergags des Deutschen Reiches nach dem Dreißigjährigen Krieges, der im Zusammenbruch der Napoleonischen Kriege kulminierte, klare Worte: „Die Fäulnis eines solchen Staatslebens begann bereits den rechtschaffenen Gradsinn des Volkscharakters zu zerstören … Die gewissenlose Staatsraison des Jahrhunderst vergiftete auch den bürgerlichen Verkehr.“ Damit ist die zersetzende Wirkung des gesamtpolitischen Systems benannt, das heute als global agierender Liberalkapitalismus an die Gier des Einzelnen appelliert und die deutsche Nation als Tätervolk diffamiert, die durch internationale Organisationen und Schuldkult aufzulösen ist. Im Unterschied zu heute gab es in den damaligen Zeiten nationaler Erniedrigung in einem der Einzelstaaten den Willen zur Erhebung. In Preußen setzte ab 1806 unter Stein, Hardenberg und Scharnhorst eine beispiellose Reformbewegung ein, die es in die Lage brachte, 65 Jahre später eine neues Deutsches Reich zu begründen. Eine solche Kraft fehlt in der Gegenwart. Wohl wahr, der Fürst des Geziefers, wie ihn Stefan George in seinem Gedicht „Der Widerchrist“ erkennt – heute müßte es die Fürstin heißen – hat sein Reich errichtet. Wer „rechts“ Politik betreiben will, muß sich die Grundsätzlichkeit dieser Lagebestimmung klarmachen. Fast immer greift sie jedoch zu kurz, oft fehlt sie ganz. Es geht darum, wie Thilo Sarrazin unverblümt klargestellt hat, ob sich Deutschland abschafft, nicht um ein „Wie weiter?“, sondern um Sein oder Nichtsein. Hierzu zählt auch zu erkennen, in welcher Tiefe die Erniedrigung unserer Nation ihrer Verankerung hat. Bezeichnenderweise ist es ein Wirtschaftsliberaler wie Hans Olaf Henkel, dem es in seinem neuen Buch „Rettet unser Geld“ vorbehalten bleibt aufzuzeigen, wie die Weiterexistenz der Feindstaatenklauseln in der UN-Charta oder der Urteile des Nürnberger Siegertribunals auf die politische Gegenwart einwirken, wo sie beispielsweise die Unterwerfung der BRD Machthaber unter den Willen der fremden Mächte herbeiführen und erhalten.

 

 

Ausweg

 

Weil die die deutsche Niederung sich in tief in die mentale Sphäre vorgefressen hat, kann man den Ausbruch aus dem Jammertal nicht als politisches Programm verordnen, das sich mit bestimmten Maßnahmen strategisch verwirklichen ließe. Es bleibt jedoch Hoffnung, daß die Bewußtmachung der Lage der erste Schritt zu ihrer Verbesserung ist, entsprechend des Hegelwortes: „Die Idee ist nicht so ohnmächtig, es nur zur Idee zu bringen.“ Jeder Einzelne ist gefordert, mit unerbittlicher Prinzipienstrenge ein guter Keim in fauligem Humus zu sein und möglichst den einen oder anderen Mitstreiter zu befruchten. Moderne Kommunikationstechnologien bieten immerhin die Möglichkeiten, Gedanken öffentlich zu machen und Verbindungen zu knüpfen. Im Internet können Seiten gestaltet und Filme und Texte präsentiert werden. Soziale Netzwerke wie facebook o.ä. ermöglichen auch ohne organisatorische Fixierungen Kontakte aufzubauen und verlorene zu reaktivieren, was angesichts der kleinen Anzahl an Aktivisten condicio sine qua non des Überlebenskampfes ist. Dieses, eigene Initiative und Selbstinpflichtnahme, nicht das Warten auf den großen Kladdaradatsch, während die Herde noch den Superstar sucht, kann vielleicht bewirken, daß die Zahl derer, die Anteil am Schicksal der Nation nehmen, zur kritischen Masse anwächst, die zur Gefahr für die BRD und zur Hoffnung für Deutschland wird.

 

Denk ich an Deutschland in der Nacht

bin ich um den Schlaf gebracht

ich kann die Augen nicht mehr schließen

und meine heißen Tränen fließen

(Heinrich Heine)

 

Anregungen und Kritik nimmt der Verfasser gern entgegen: clemensdssd@aol.com

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