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Harmlose Neugier, findige Überwachung und schmerzhafte Repressionen

Als ich letztens mit meiner guten Freundin Nadine in einem Café saß, sprachen wir über Gott und die Welt. Wie meine Ausbildung und ihr Studium läuft, über die ersten Schneeflocken in diesem Jahr und warum uns Schwimmen mehr Spaß macht als eine Runde joggen zu gehen. Wie aus dem Nichts hörte ich am Nachbartisch meinen Namen im Zusammenhang mit einem tragischen Beziehungsaus.

Es ging hierbei jedoch nicht um mich – ich erlebte den klassischen Cocktailparty-Effekt und saß geistig durch meine Neugier für die nächsten paar Minuten am Nachbartisch.

Kennen gelernt hatten sie sich anscheinend im Park beim Volleyball spielen, kannten sich wohl ein dreiviertel Jahr, aber am Ende sollte es wohl doch nicht so gestimmt haben. Doch was ging mich diese Geschichte überhaupt an? Nichts! Doch manchmal ist Neugier ein Verlangen, welches ich in solch spontanen Situationen schwer zügeln kann.

Aber wenn es mir schon so geht, wie mag es dann anderen gehen? Wie leicht bekommen andere Menschen etwas von meinem Leben mit, die sich um die Privatsphäre anderer Leute überhaupt nicht scheren? Die vielleicht sogar aktiv nach privaten Informationen suchen? Und solche Leute gibt es viele! Damit meine ich nicht nur den kleinen Nils mit seinen Spitzohren, der schon lange auf meine Freundin scharf ist und jede Möglichkeit nutzen würde sie mir auszuspannen. Es gibt auch unsere politischen Gegner, wie auf der linken Seite die Antifa, welche bspw. Facebook-Profile nach persönlichen Infos, Kontakten, Hobbys und Bildern durchstöbert und diese dann zum Denunzieren nutzt. Es gibt auch die staatlichen Repressionsorgane, welche bei Facebook, WhatsApp usw. zusätzlich noch Zugriff auf unsere privaten Nachrichten haben.

Doch was dagegen tun? OK, die Sichtbarkeit meiner Facebook-Freundesliste könnte ich mal von „öffentlich“ auf „Nur Freunde“ korrigieren. Und die Bilder und die Zeitleiste dabei wohl gleich auch einmal. Doch was tun gegen die Überwachung des Staates? Tja, da bietet Facebook leider wohl keine wirklich guten Möglichkeiten. Doch bei WhatsApp lässt sich bestimmt etwas machen. Neulich stand da etwas von alternativen Messegern. Signal z.B. (worüber man auch sicher telefonieren kann) oder auch Threema ist beliebt. Zwar gibt es viel Diskussion darüber, welcher nun besser ist, aber wenn wir uns in unserer Politrunde auf einen einigen können machen wir dem Staat das Schnüffeln bestimmt schon einmal etwas schwerer – vielleicht sogar unmöglich.

Bei der Gelegenheit sollte ich dann vielleicht auch gleich einmal mein Smartphone verschlüsseln – sicher ist sicher und so schwer wird es schon nicht sein. Ein gutes Kennwort mit mindestens 12 verschiedenen Zeichen, eine kurze Zeit warten und schon wird die Nacht nach einer Hausdurchsuchung etwas angenehmer, wenn ich weiß, dass die Polizei nicht so leicht an die Infos von unserer letzten Aktion kommt. Die Schreiben waren aber auch unschön anzusehen. Zudem haben wir dadurch der Wirtschaft wieder einen Auftrag gebracht – quasi eine Win-Win-Situation.

Und dass Scherben Glück bringen, merke ich auch jetzt wieder, denn durch meine Schusseligkeit riss ich doch glatt meinen Kakao zu Boden. Aber dadurch ist Nadine wohl aufgefallen, dass ich ihren Worten in den letzten Minuten zu wenig Beachtung geschenkt hatte – oder hat sie es gar nicht gemerkt? Ein paar Minuten und eine hilfsbereiten Kellnerin später sind wir wieder auf dem Rückweg, doch die Gedanken zu harmloser Neugier, findiger Überwachung und schmerzhaften Repressionen beschäftigen mich immer noch ein wenig.

Hans Giebenrath/JN Sachsen

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