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Griechenlandkrise zeigt Instabilität des Weltfinanzsystems – Die Lüge von der griechischen Schuld

An der Börse herrscht Alarmbereitschaft. Der Leitindex DAX, der die 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen listet, die in Frankfurt am Main mit Wertpapieren handeln, musste deutliche Verluste hinnehmen. Dem Handelsblatt (Artikel vom 12.05.2015) nach seien die ausstehenden Forderungen Griechenlands gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) der ausschlaggebende Punkt für die Volatilitäten an den Finanzmärkten. Doch in Wirklichkeit sind die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands und der nun befürchtete Grexit(1), nur logische Folgen eines völlig instabilen Finanzsystems, das sich selbstständig gemacht hat.

So halten sich angeblich „zahlungsfähige“ Staaten wie bspw. die Bundesrepublik Deutschland  auch nur noch auf Pump. In Wirklichkeit sind Krisensituationen ein inhärentes Element des Kapitalismus. Die Finanzkrise, die längst nicht ausgestanden ist, kam u.a. dadurch zustande, dass an der Börse eine gewaltige Preisspekulation stattgefunden hat. Unternehmen, die mit realer Wertschöpfung so viel zu tun haben, wie Joachim Gauck mit dem bürgerlichen Widerstand in der DDR, betrieben das „Ponzi-Schema“(2) bis die internationalen Finanzmärkte ausgetrocknet waren. So irreal das Geschäftsmodell à la Charles Ponzi(3) auch sein mag. Die Auswirkungen, die dieses Schneeballsystem auf die reale Wirtschaft hat, sind zwar lukrativ für die, die es verstehen rechtzeitig zu verkaufen. Doch gleichzeitig wirkt es sich verheerend auf die Gesellschaften aus, deren Wohlstand auf einer ordentlichen Arbeitsteilung basiert. Auch wenn der IWF mittlerweile einen Grexit nicht mehr für unmöglich hält, verhalten sich Anleger momentan konträr dazu. Die Regeln des Marktes werden letztlich nicht vom IWF oder der EZB, sondern von privaten Finanzhäusern und Rating-Agenturen gemacht. Kleinste Veränderungen auf dem Markt können dabei verheerende Auswirkungen haben. Der Wirtschaftswissenschaftler Martin Weber sagte einmal der ZEIT-Online gegenüber sehr treffend: „Die Wissenschaft zeigt ganz deutlich, dass Kurse dem Zufall gehorchen und nicht irgendwelchen schlauen Bewertungsmodellen. Deshalb sind auch Prognosen Scharlatanerie.“ (Götte 2011, S. 60)

Es geht an der Börse längst nicht mehr rational und wohlüberlegt zu. Mainstream-Ökonomen mögen immer wieder die „vollständig informierten Märkte“ predigen, doch die Wirklichkeit wird von den computerisierten Geldhäusern gemacht, in denen Kauf- und Verkaufsorder automatisiert ablaufen. Dieser zügellose Wertpapierhandel, der besonders in Form sog. „Over-The-Counter-Derivate“ (OTC)(4) wertzersetzend wirkt, gehört u.a. zu den wahren Ursachen der noch heute anstehenden Finanz- bzw. Wirtschaftskrise. Der Großinvestor Warren Buffett nannte diese Papiere einmal treffend „finanzielle Massenvernichtungswaffen“. Scheinbar geht es den mittel- wie nordeuropäischen Staaten noch gut. Doch ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Finanzkartenhaus in sich zusammenbricht.

Die Subprime-Krise im Jahr 2007 ist nur eine logische Folge aus einer ungehemmten Finanzpolitik, die immer globaler wird. Die globalisierten Märkte haben zu unübersichtlichen Verstrickungen  geführt, sodass der Fall einer Pleitebank oder eines großen einflussreichen (systemrelevanten) Konzerns, zu einer weltweiten Krise führt(5). Die aktuellen Geschehnisse zeigen wieder deutlich, dass die Kontrolle eines solch ausufernden Schneeballsystems nicht gewährleistet werden kann. Leistungsbilanzungleichgewichte, die gewollte Entwertung der Euro-Währung(6) und die damit einhergehende Monetarisierung der Staatsschulden, werden langfristig zu gewaltigen Preisschwankungen führen. Die Europäischen Zentralbanker verstoßen somit gegen den Artikel 127 AEUV (2009), nachdem „das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken die Preisstabilität zu gewährleisten“ ist. Unter Preisstabilität versteht man eine Inflationsrate mathematisch von null. Dies ist im Euroraum jedoch mitnichten so.

Diesen Schwankungen werden weitere ungerechte Vermögensverteilungen folgen. Durch die Spekulation gegen Pensionsfonds und die gewollte Geldentwertung schmelzen die Altersrücklagen für Rentner und zukünftige Ruheständler. Die Zukunft Europas wird den Interessen von Hedgefonds geopfert. Es könnte Europa eine Hyperinflation erwarten, wenn die Finanzpolitiker weitermachen wie bisher.

Die verantwortliche EZB handelt dabei keineswegs im staatlichen Auftrag. Selbst die, nach Sahra Wagenknecht (2013, S. 257), durch die Öffnung der Devisenmärkte einflusslos gewordenen Zentralbanken sind längst nicht mehr in staatlicher Hand. So wird das europäische Gelddruckmonopol heute von dem ehemaligen Vize-Präsidenten von Goldman Sachs(7), Mario Draghi ausgeübt. Über seine irrationale und die Volkswirtschaft schädigende Geldpolitik wurde bereits mehrfach berichtet. Europa wird ausverkauft. Angesichts dieser Tatsachen wirken die Griechen wie Bauernopfer, die sich am wenigsten wehren können. Wer kommt als nächstes dran? Vielleicht Deutschland? Lange kann die Finanzlüge nicht mehr aufrecht gehalten werden. Irgendwann muß auch diese immer größer werdenden Blasen platzen. Dann könnten wir auch in der Bundesrepublik schon bald „griechische Verhältnisse“ haben.

Nicht den Griechen ist die Schuld beizumessen, sondern dem kapitalistischen Finanzsystem, das rendite- statt menschenorientiert handelt. Die Griechenlandkrise ist nur eine logische Folge der Raffgier von „Investmentbanken“ wie Goldman Sachs, die den Namen obsolet erscheinen lassen.

Ein anderer Weg

Deshalb braucht Europa wieder ein vom Dollar unabhängiges Geldsystem. Die Kontinentalwährung verhindert, dass die Nationen mittels Geldabwertung ihre Preispolitik und somit den Warenfluss regeln können. Das Geld muss als Blut in einem Volkswirtschaftskörper verstanden werden. Ohne Blut (Geld) trocknet der Körper (Wirtschaft) aus. Das Geld dient als zirkulierendes Instrument, das den Warenaustausch innerhalb einer Volkswirtschaft befördern soll. Die Nationen müssen daher das Recht auf den Druck ihrer eigenen Währung wieder innehaben. Die deutsche Nationalbank muss das Gelddruckmonopol ausüben und über eine entsprechende Geldpolitik dazu in der Lage sein, Preisstabilität herstellen zu können, um damit das Ziel der Vollbeschäftigung zu erreichen. Der Schlüssel zu einer gerechten Volkswirtschaft befindet sich in der Geldfrage. Der Staat muss hier unabhängige, am Volkswohl ausgerichtete Zentralbanker einsetzen. Der Börsenhandel ist zu reformieren. Der zügellose Wertpapierhandel, der nichts mit realen Werten zu tun hat, wirkt sich schädigend auf die Volkswirtschaft aus. Weder eine zentralistische Planwirtschaft, noch ein zügelloser Liberal- und Finanzkapitalismus können Ziel einer nationalen Volkswirtschaft sein. Vielmehr geht es darum in den sensitiven Bereichen staatliche Regulatoren einzuführen, die die freie Marktwirtschaft jedoch nicht beschränken sollen. Wettbewerb ist erwünscht, doch nicht auf Kosten des Volkes. Finanzhaie und Hedgefonds, die so kurzlebig sind, wie wertschöpfend, dürfen keinen Platz in der Wirtschaftsordnung haben, die an den Menschen ausgerichtet sein muss.

Deutschland und Europa sind keine reinen Finanz- und Wirtschaftsstandorte, sondern unser Heimatboden. Der Kapitalismus ist folgerichtig gescheitert. Eine Volkswirtschaftsordnung ist das Ziel der nationalen Opposition. 

 

 

(1) Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone.
(2) Bspw. Wertpapierhandel, bei dem kein realer Wert gehandelt wird. Anleger, die ihr Geld zurückfordern, werden mit Ponzi-Geld, welches durch Einzahlungen von anderen Anlegern generiert wird, bezahlt. Die Tilgung von Krediten bzw. Zinszahlungen erfolgt mittels neuer Kredite.
(3) C. Ponzi war ein Italienischer Geschäftsmann, der im 20. Jahrhundert lebte und hauptsächlich in den USA und Canada tätig war. Er wurde durch sein finanzielles Schneeballsystem bekannt, mit dem er auf betrügerische Art und Weise etwa 150 Millionen Dollar (damals eine außerordentliche Summe) vom Finanzmarkt getilgt hat.
(4) OTC-Handel („over the counter“ = „über den Tresen“) beschreibt den außerbörslichen Handel von Vertragspartner zu Vertragspartner.
(5) Siehe die Lehman-Pleite
(6) Die EZB strebt eine Geldpolitik an, die zum Ziel hat eine jährliche Inflation von ca. 2 Prozent zu erreichen.
(7) Die Goldman Sachs Group Inc.  gehört zu den führenden Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmen sowie Verursachern der Krise von 2007.

Quellen:

AEUVVertrag  über die Arbeitsweise der Europäischen Union (2009). Dritter Teil: Titel VIII: Die Wirtschafts- und Währungspolitik. Artikel 127 (1). Fassung des am 01.12.2009 in Kraft getretenen Vertrag von Lissabon. Verfügbar unter http://www.aeuv.de/aeuv/dritter-teil/titel-viii/kapitel-2/art-127.html (12.05.2015)

Götte, R. (2011). Chaos an den Finanzmärkten? Finanzmarkttheorien auf dem Prüfstand. Stuttgart: Ibidem-Verlag

Handelsblatt (2015). Artikel vom 12.05.2015: Hellas-Krise setzt Anleihemärkte und DAX unter Druck. Verfügbar unter http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/marktberichte/boerse-frankfurt-hellas-krise-setzt-anleihemaerkte-und-dax-unter-druck/11763070.html (12.05.2015)

Wagenknecht, S. (2013). Kapitalismus, was tun? Schriften zur Krise. Berlin: Verlag Das Neue Berlin

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